Die meisten Menschen stellen sich die Alpen im Winter vor - Schnee, Skilifte, Fondue. Und die Wintersaison ist real: Sie ist größer, bekannter und beschäftigt mehr Menschen. Aber der Sommer in den Alpen wächst schnell und ist für viele Saisonarbeitskräfte die bessere Wahl - weniger Konkurrenz um die Jobs, eine entspanntere Atmosphäre und zunehmend die gleiche Bezahlung.
Hier siehst du, wie sich die beiden Jahreszeiten in den für Saisonarbeitskräfte wichtigen Bereichen unterscheiden.
Saisondaten
| Saison | Typischer Beginn | Typisches Ende | Spitzenzeit | |---|---|---|---| | Winter | Ende November / Anfang Dezember | April | Februar-März (Schulferien) | | Sommer | Mitte Juni | Mitte September / Oktober | Juli-August |
Einige Skigebiete sind das ganze Jahr über geöffnet, mit einer kurzen Unterbrechung im November und Mai. Zermatt (CH) ist das berühmteste Ganzjahresskigebiet - es hat ein Gletscherskigebiet, das das ganze Jahr über geöffnet ist. Saas-Fee (CH), Livigno (IT) und eine Handvoll österreichischer Gletscherskigebiete (Hintertux, Stubai) sind ebenfalls ganzjährig oder fast ganzjährig in Betrieb.
Verfügbarkeit von Jobs
Winter
Der Winter ist die wichtigste Jahreszeit. In dieser Zeit gibt es mehr Arbeitskräfte und ein breiteres Spektrum an Aufgaben:
- Hotelküche, Service, Housekeeping, Rezeption - überall
- Skischule (Skilehrer, Assistenten)
- Skiverleih und Technikshops
- Liftbetrieb (in der Regel lokale/saisonale Vermietung durch das Skigebiet)
- Transferfahrer (vom Flughafen zum Skiort)
- Kinderbetreuung / Kinderclubs (große Skigebietsbetreiber)
- Pistenpräparierung (fast immer örtliche Anstellung)
Sommer
Der Sommer ist dünner, aber er wächst:
- Hotelküche, Service, Housekeeping, Rezeption - nur in größeren Resorts
- Outdoor-Guides (Wandern, Klettersteige, Mountainbiking, Canyoning)
- Fahrradverleih und Technik
- Hüttenpersonal (Hütte) - eine typische Sommerarbeit in den Alpen
- Landwirtschaft (Obsternte in Tirol und Südtirol, Almwirtschaft)
- Mitarbeiter/innen in Sprach- und Freizeitlagern (Sommerlager für Kinder sind ein großer Arbeitgeber)
Die Lücke: Die Auslastung der Sommerhotels liegt selbst in den besten Ferienorten bei 60-70% der Winterspitze. Rechne mit weniger Stellen und einigen Arbeitgebern, die nur im Winter geöffnet haben.
*Gehaltsvergleich
In den meisten Fällen sind die Löhne unabhängig von der Saison gleich. Die Tarifverträge (L-GAV, KV, HCR, CCNL) unterscheiden nicht nach Saison - der Tarif ist der Tarif. Was sich unterscheidet, sind die Trinkgelder und die Gesamtausgaben im Urlaubsort, was sich im Winter stärker auf trinkgeldabhängige Tätigkeiten (Service, Barkeeper) auswirkt.
Eine Ausnahme ist das Outdoor-Guiding, das in der Regel pro Tag oder pro Gruppe bezahlt wird und dessen Sätze stark variieren. Zertifizierte Bergführer verdienen deutlich mehr als Beschäftigte im Gastgewerbe; Aktivitätsführer ohne formale Zertifizierung verdienen weniger.
Unterkunft: Die Abzüge für die Unterkunft im Sommer sind in der Regel dieselben wie im Winter. Einige Berghütten haben ein anderes System - Zimmer und Vollpension gegen einen etwas niedrigeren Lohn, was sich angesichts der abgelegenen Lage als günstig erweist.
Unterschiede im Lebensstil
| | Winter | Sommer | |---|---|---| | Tempo | Hochintensive, sechstägige Wochen | Generell entspannter | | Wetter | Kalt, Schnee, Indoor-lastig | Outdoor-fokussiert, variabel | | Gästeprofil | Gemischt (Familien, Paare, Gruppen) | Mehr Wanderer, Radfahrer, weniger Pauschaltouristen | | Kultur des Personals | Partylastig in den großen Ferienorten | Ruhiger, mehr im Freien | | Freie Tage | Oft nur ein Tag/Woche, schwer zu nutzen | Mehr Flexibilität in einigen Skigebieten | | Vergünstigungen | Skipässe (wenn der Arbeitgeber sie zur Verfügung stellt) | Zugang zum Wandern und Radfahren |
Der Winter hat einen wohlverdienten Ruf für ein intensives soziales Umfeld - besonders in Skigebieten wie Verbier, Val d'Isère und Ischgl. Wenn es das ist, was du suchst, ist der Winter genau das Richtige für dich. Wenn du Berge ohne die Après-Ski-Kultur bevorzugst, ist der Sommer eine ganz andere Erfahrung.
Welche Skigebiete sind wirklich das ganze Jahr über geöffnet?
Nur sehr wenige Skigebiete bieten zu beiden Jahreszeiten einen kompletten Hotelbetrieb an. Diejenigen, die das tun, sind es wert, dass du sie kennst, denn sie bieten ganzjährige Arbeitsverträge an, die selten und wertvoll sind:
- Zermatt (CH) - der Goldstandard. Das Skigebiet ist 365 Tage geöffnet. Die meisten großen Hotels sind ganzjährig geöffnet oder schließen nur kurz.
- Saas-Fee (CH) - Gletscherskifahren das ganze Jahr über; Hotels werden bei Schließung geteilt.
- Grindelwald / Interlaken (CH) - starker Sommer (Wandern, Gleitschirmfliegen, Abenteuertourismus). Einige Hotels ganzjährig geöffnet.
- Davos (CH) - Konferenztourismus hält die Hotels in der Nebensaison besetzt.
- Chamonix (FR) - der Mont-Blanc-Tourismus sorgt für ganzjährige Besucher. Der aktivste Sommerurlaubsort Frankreichs.
- Livigno (IT) - Gletscherskifahren von Mai bis Juni, Wiedereröffnung im November. Wachsender Sommer-Bikepark.
- Hintertux / Stubai (AT) - Gletscherskigebiete sind fast das ganze Jahr über geöffnet; Gastfreundschaft folgt.
Welche Saison solltest du wählen?
Wähle den Winter, wenn:
- Du als Teil deines Jobs Ski- oder Snowboard fahren möchtest (viele Arbeitgeber bieten Skipässe an)
- Du nach einer energiegeladenen sozialen Szene suchst
- Du deine erste Alpinsaison anstrebst und möglichst viele Joboptionen haben willst
- Du in einer Branche arbeitest, in der Trinkgeld wichtig ist (Service, Bar)
Wähle den Sommer, wenn:
- Du Outdoor-Aktivitäten - Wandern, Radfahren, Klettern - dem Skifahren vorziehst
- Du weniger Konkurrenz um einen Job und möglicherweise mehr Aufmerksamkeit von Arbeitgebern haben möchtest
- Du dich für die Arbeit auf Berghütten oder als Bergführer interessierst (nur im Sommer)
- Du interessierst dich für die Arbeit in der Landwirtschaft (Erntesaison ist von Juli bis Oktober)
- Du willst die Alpen ohne die Menschenmassen erleben
Im Zweifelsfall: Der Winter bietet dir mehr Möglichkeiten. Aber der Sommer ist das besser gehütete Geheimnis - und mit der wachsenden Attraktivität der Alpen als Sommerreiseziel schließt sich die Lücke von Jahr zu Jahr.